Wie wir JournalistInnen arbeiten...
...aber nicht sollten?!?
Das Folgende ist eine aktuelle Buchbesprechung der Standard-Medienjournalistin Doris Priesching, erschienen in der Printausgabe vom 27. März. Ich war, wenn ich mich recht erinnere, auch einer der Befragten bzw. Antwortenden. Und ich frage mich, ob die Google-Erkenntnis wirklich gar so dramatisch ist, dass sie bei Priesching am Anfang stehen muss. Denn wie bei den meisten Dingen hängt es auch bei der Suchmaschine davon ab, wie man sie einsetzt. Die Konflikte zwischen Redaktion und der Anzeigenabteilung scheinen mir das bedenklichere Thema zu sein. (Laut Studie müssen das nämlich sechzig Prozent der Befragten zumindest manchmal.)
Jetzt aber: die Rezension Prieschings:
"Google ist das neue Tor zur Wirklichkeit, auch im Journalismus", erklärt Kommunikationswissenschafter Stefan Weber. Laut Studie für KommAustria und
Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) unter 300 Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten googeln Journalisten fast so viel wie sie telefonieren. 94,8 Prozent nützen die Suchmaschine zumindest manchmal.
Warnsignal
Für Publizistikprofessor Fritz Hausjell ist das angesichts des schlampigen Umgangs im Journalismus bei der Angabe von Quellen ein Warnsignal: "Ist Journalismus nur mehr das, was zwischen gegoogelten Inhalten an Verbindungssätzen Platz hat?" Zumal die neuen Technologien von den meisten Printjournalisten nicht nur als Segnung betrachtet werden: Jeden zweiten stresst laut Studie das Internet, Männer übrigens mehr als Frauen.
Stichwort Geschlechtervergleich: Erstmals gibt es unter Berufsneulingen - also Journalisten, die noch über weniger als fünf Jahre Berufspraxis verfügen - mehr Frauen als Männer.
Wie arbeiten Österreichs Printjournalisten außerdem? Sie leiden. Unter Info-Flut, Zeitdruck, fehlenden Korrektoraten. Sie leiden, weil sie ihre Texte nicht unterbringen, weil Wirtschaft und Politik immer größeren Einfluss auf ihre Arbeit ausüben und Konflikte zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung immer heftiger werden. Immer mehr arbeiten mit freien Dienstverträgen und sind unzufrieden mit ihrer Bezahlung. Eine triste Bestandsaufnahme, die Journalistengewerkschafter Fritz Wendl immer noch für "geschönt" hält, klammere sie doch Arbeitsbedingungen von privaten TV- und Radiojournalisten aus. Google-Journalismus sei lediglich Resultat permanenten Zeitdrucks.
Hälfte studiert fertig
Von wenigstens einem Klischee befreit sich der Berufsstand nach und nach: dass Journalisten meist Studienabbrecher sind. Laut Studie haben inzwischen 46,6 Prozent ein abgeschlossenes Hochschulstudium.
DAS BUCH: Stefan Weber: So arbeiten Österreichs Journalisten für Zeitungen und Zeitschriften, herausgegeben von Meinrad Rahofer. Salzburg: Schriftenreihe Journalistik des Kuratoriums für Journalistenausbildung, Band 18, 108 Seiten, 9,90 Euro.
Das Folgende ist eine aktuelle Buchbesprechung der Standard-Medienjournalistin Doris Priesching, erschienen in der Printausgabe vom 27. März. Ich war, wenn ich mich recht erinnere, auch einer der Befragten bzw. Antwortenden. Und ich frage mich, ob die Google-Erkenntnis wirklich gar so dramatisch ist, dass sie bei Priesching am Anfang stehen muss. Denn wie bei den meisten Dingen hängt es auch bei der Suchmaschine davon ab, wie man sie einsetzt. Die Konflikte zwischen Redaktion und der Anzeigenabteilung scheinen mir das bedenklichere Thema zu sein. (Laut Studie müssen das nämlich sechzig Prozent der Befragten zumindest manchmal.)
Jetzt aber: die Rezension Prieschings:
"Google ist das neue Tor zur Wirklichkeit, auch im Journalismus", erklärt Kommunikationswissenschafter Stefan Weber. Laut Studie für KommAustria und
Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) unter 300 Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten googeln Journalisten fast so viel wie sie telefonieren. 94,8 Prozent nützen die Suchmaschine zumindest manchmal.
Warnsignal
Für Publizistikprofessor Fritz Hausjell ist das angesichts des schlampigen Umgangs im Journalismus bei der Angabe von Quellen ein Warnsignal: "Ist Journalismus nur mehr das, was zwischen gegoogelten Inhalten an Verbindungssätzen Platz hat?" Zumal die neuen Technologien von den meisten Printjournalisten nicht nur als Segnung betrachtet werden: Jeden zweiten stresst laut Studie das Internet, Männer übrigens mehr als Frauen.
Stichwort Geschlechtervergleich: Erstmals gibt es unter Berufsneulingen - also Journalisten, die noch über weniger als fünf Jahre Berufspraxis verfügen - mehr Frauen als Männer.
Wie arbeiten Österreichs Printjournalisten außerdem? Sie leiden. Unter Info-Flut, Zeitdruck, fehlenden Korrektoraten. Sie leiden, weil sie ihre Texte nicht unterbringen, weil Wirtschaft und Politik immer größeren Einfluss auf ihre Arbeit ausüben und Konflikte zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung immer heftiger werden. Immer mehr arbeiten mit freien Dienstverträgen und sind unzufrieden mit ihrer Bezahlung. Eine triste Bestandsaufnahme, die Journalistengewerkschafter Fritz Wendl immer noch für "geschönt" hält, klammere sie doch Arbeitsbedingungen von privaten TV- und Radiojournalisten aus. Google-Journalismus sei lediglich Resultat permanenten Zeitdrucks.
Hälfte studiert fertig
Von wenigstens einem Klischee befreit sich der Berufsstand nach und nach: dass Journalisten meist Studienabbrecher sind. Laut Studie haben inzwischen 46,6 Prozent ein abgeschlossenes Hochschulstudium.
DAS BUCH: Stefan Weber: So arbeiten Österreichs Journalisten für Zeitungen und Zeitschriften, herausgegeben von Meinrad Rahofer. Salzburg: Schriftenreihe Journalistik des Kuratoriums für Journalistenausbildung, Band 18, 108 Seiten, 9,90 Euro.
taschwer - 29. Mär, 14:23