Lebenswelten

Dienstag, 4. April 2006

Der Erfolg einer Image-Kampagne

Weil Innovatives-Österreich mitten in der zweiten Runde ist, zwischendurch noch ein kleines Zwischenergebnis der ersten Kampain. In der kam es ja bekanntlich zum einen auf die Birne an und zum anderen darauf, wie unentbehrlich Forschung und Technologie für Österreichs Zukunft sind. Man sollte meinen, dass das auch einen Einfluss auf den Status der WissenschaftlerInnen hatte. Hatte es auch. Denn am Image von "Wissenschaft als Beruf" hat sich in Österreich fürwahr einiges geändert.

Die vorletzte Meinungsumfrage über das Ansehen von Berufen in Österreich fand vor fünf Jahren statt, die Wissenschaftler belegten damals Platz 9. Dann kam die mehrere Millionen Euro schwere Kampain, ehe vor wenigen Wochen das Meinungsforschungsinstitut market die neuesten Berufsimagewerte vorlegte (basierend auf 501 Interviews): Platz eins belegen nach wie vor die Ärzte, deren Beruf 89 Prozent für wichtig erachten. Stark aufgeholt haben die Handwerker, die mittlerweile Platz vier belegen (statt Platz sechs vor fünf Jahren).

Die Wissenschaftler – ach herrje – haben ausgerechnet in den fünf Jahren zwischen 2001 und 2006 von allen Berufsgruppen mit am stärksten verloren, liegen bei 59 Prozent und sind damit von Platz 9 auf Platz 18 zurückgerutscht, IT-Fachkräfte von 11 auf 22. www.innovatives-oesterreich.oje

P.S.: Jeder journalistischer Spott ist natürlich unangebracht. JournalistInnen (mit 46 Prozent) rangieren noch hinter den PolitikerInnen (50 Prozent) unter ferner liefen. Und wohl nicht ganz zufällig wurde weder das Ansehen von PR-Fachkräften noch von MeinungsforscherInnen erhoben.

Mittwoch, 29. März 2006

Wie wir JournalistInnen arbeiten...

...aber nicht sollten?!?
Das Folgende ist eine aktuelle Buchbesprechung der Standard-Medienjournalistin Doris Priesching, erschienen in der Printausgabe vom 27. März. Ich war, wenn ich mich recht erinnere, auch einer der Befragten bzw. Antwortenden. Und ich frage mich, ob die Google-Erkenntnis wirklich gar so dramatisch ist, dass sie bei Priesching am Anfang stehen muss. Denn wie bei den meisten Dingen hängt es auch bei der Suchmaschine davon ab, wie man sie einsetzt. Die Konflikte zwischen Redaktion und der Anzeigenabteilung scheinen mir das bedenklichere Thema zu sein. (Laut Studie müssen das nämlich sechzig Prozent der Befragten zumindest manchmal.)

Jetzt aber: die Rezension Prieschings:

"Google ist das neue Tor zur Wirklichkeit, auch im Journalismus", erklärt Kommunikationswissenschafter Stefan Weber. Laut Studie für KommAustria und
Kuratorium für Journalistenausbildung (KfJ) unter 300 Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten googeln Journalisten fast so viel wie sie telefonieren. 94,8 Prozent nützen die Suchmaschine zumindest manchmal.

Warnsignal
Für Publizistikprofessor Fritz Hausjell ist das angesichts des schlampigen Umgangs im Journalismus bei der Angabe von Quellen ein Warnsignal: "Ist Journalismus nur mehr das, was zwischen gegoogelten Inhalten an Verbindungssätzen Platz hat?" Zumal die neuen Technologien von den meisten Printjournalisten nicht nur als Segnung betrachtet werden: Jeden zweiten stresst laut Studie das Internet, Männer übrigens mehr als Frauen.
Stichwort Geschlechtervergleich: Erstmals gibt es unter Berufsneulingen - also Journalisten, die noch über weniger als fünf Jahre Berufspraxis verfügen - mehr Frauen als Männer.
Wie arbeiten Österreichs Printjournalisten außerdem? Sie leiden. Unter Info-Flut, Zeitdruck, fehlenden Korrektoraten. Sie leiden, weil sie ihre Texte nicht unterbringen, weil Wirtschaft und Politik immer größeren Einfluss auf ihre Arbeit ausüben und Konflikte zwischen Redaktion und Anzeigenabteilung immer heftiger werden. Immer mehr arbeiten mit freien Dienstverträgen und sind unzufrieden mit ihrer Bezahlung. Eine triste Bestandsaufnahme, die Journalistengewerkschafter Fritz Wendl immer noch für "geschönt" hält, klammere sie doch Arbeitsbedingungen von privaten TV- und Radiojournalisten aus. Google-Journalismus sei lediglich Resultat permanenten Zeitdrucks.

Hälfte studiert fertig
Von wenigstens einem Klischee befreit sich der Berufsstand nach und nach: dass Journalisten meist Studienabbrecher sind. Laut Studie haben inzwischen 46,6 Prozent ein abgeschlossenes Hochschulstudium.

DAS BUCH: Stefan Weber: So arbeiten Österreichs Journalisten für Zeitungen und Zeitschriften, herausgegeben von Meinrad Rahofer. Salzburg: Schriftenreihe Journalistik des Kuratoriums für Journalistenausbildung, Band 18, 108 Seiten, 9,90 Euro.

Dienstag, 21. März 2006

Bewusster Sprachgebrauch

"Die Begriffe, die man sich von was macht, sind sehr wichtig. Sie sind die Griffe, mit denen man die Dinge bewegen kann." (Bertold Brecht)


Heute ist der erste Welt-Down-Syndrom-Tag. Bei Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) liegt das 21. Chromosom 3-mal vor, der 21.3. als Datum dieser Aktion ist also idealer Botschaftsträger.
Für das Down-Syndrom wurde lange der Begriff „Mongolismus“ und davon abgeleitet „Mongoloid“ und Ähnliches verwendet. Der aus dem 19. Jahrhundert kommende Begriff ist diskriminierend gegenüber Menschen mit Down-Syndrom sowie Menschen aus der Mongolei. Heute wird er von den meisten Medien nicht mehr verwendet (Ausnahme „profil“ Wissenschaftsseite, wo der Begriff Anfang Jänner -wenn auch in Klammern- zu lesen war).

Vorurteile gegenüber Menschen mit Down-Syndrom werden aber durch eine Reihe weiterer Formulierungen transportiert, wie zum Beispiel „Down-Kinder“ oder „leidet am Down-Syndrom“. Der Arbeitskreis Down-Syndrom empfiehlt daher:


„Down-Kinder“

Es sind zuerst und vor allem Kinder; das Down-Syndrom ist sekundär: Also: Kinder mit Down-Syndrom.

„leidet am Down-Syndrom“

bei ......liegt ein Down-Syndrom vor

Eine Liste mit weiteren diskriminierenden Formulierungen und Alternativen findet sich hier.


Eine Hilfe im sensiblen Umgang mit Begriffen bietet auch das „Buch der Begriffe. Sprache. Behinderung. Integration“ , herausgegeben von Integration:Österreich. Es ist u.a. für Interessierte aus der Medienbranche gedacht, die sich hier Basiswissen für publizistische Arbeiten abseits der Klischees holen können.
Das Buch kann hier downgeloaded oder bestellt werden.

Sonntag, 12. März 2006

Sonntagnachmittagsloch?

Es soll ja Menschen geben, die den Sonntagnachmittag fad finden. Die zwischen „Wochenende fast vorbei“ und „Arbeitswoche noch nicht begonnen“ in leichte Depressionen verfallen und nicht so recht wissen, wie sie diesen Zeitraum mit lustvollem, aber trotzdem nicht unsinnigen Tun überbrücken könnten. Eine sehr effiziente Methode, dieser Zwickmühle zu entkommen: Kriegen Sie ein Kind, dann ist Ihnen nämlich nie mehr fad (persönlich getestet!).
Oder aber: entdecken Sie, welch interessante Seiten die Wissenschaftswelt haben kann. Hier nur einige Tipps:

Wer sich schon immer darüber geärgert hat, dass das schöne deutsche Wort „Backfisch“ kaum mehr verwendet wird, kann sich mal dieses Projekt für bedrohte Wörter anschauen.

Sie sind mehr der Museumstyp? Und Sie interessieren sich für den Stein, auf dem Petrarca saß und für roten Weißwein? Besuchen Sie das Museum der unerhörten Dinge!

Wissenschaft ist für sie was Härteres? Mathematik zum Beispiel?
Lesen Sie das Buch „Mathematik für Sonntagmorgen“ von George G. Szpiro und freuen Sie sich auf Ende März, wenn die Fortsetzung „Mathematik für Sonntagnachmittag“ erscheint.

Mittwoch, 8. März 2006

nicht vergessen:

heute ist internationaler frauentag!

auf diversen wissenschaftsseiten habe ich beim schnellen durchscannen leider nichts aktuelles dazu gefunden. na ja..

Freitag, 3. März 2006

Lasst uns nicht wissen!

von einer veranstaltung zur nächsten - na ja, jedenfalls hatten wir (ein anderes wir, zu dem ich mich berufsbedingt irgendwie zählen muss - die TU Wien) heute eLearning-tag. alles nicht soo spannend, vor allem, weil ich das ohnehin schon alles kenne. zum schluss gab's allerdings eine podiumsdiskussion über qualität und effizienz in der lehre.
man kann ja von elearning halten, was man will, aber scheinbar bewegt sich dadurch etwas: die "hohen herren", wie ich sie immer nenne (sind eben meistens männer die entscheidungsträger auf der TU und überrhaupt auf den universitäten), erkennen langsam, dass die vermittlungsebene und -form eine wichtige rolle spielt, womit wir wieder bei wissenschaftkommunikation wären, die eben auch in der universitären lehre stattfindet. langsam begreifen SIE, dass inhalte auch ganz anders transportiert werden können. - schön.

und wenn dann noch menschen am podium sitzen, wie der wie immer sehr eloquente vizerektor der akademie für bildende künste andreas spiegl, die es schaffen die dinge quer und von der ganz anderen seite zu denken, könnte man fast einen gewissen optimismus für die universitäten entwickeln.
leider krieg ich es ja nicht mehr ganz hin, aber in einem seiner zentralen statements ging es um den zusammenhang von wissen und kommunkation. zwar sehr indirekt, aber wirklich zum drüber nachdenken: wie wichtig es sei, dass die produktion von wissen neues nicht-wissen erzeugt, denn nur bei nicht-wissen wird kommuniziert (war natürlich als provokation gedacht!). das heißt vermittlung kann gar nicht den sinn haben, alles abzudecken, alle löcher zu stopfen, sondern vor allem neues fragen, neues nachdenken, usw. initiieren.

so und jetzt schluss! (es soll ja nicht zuviel ernst aufkommen:-))

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